Heizen mit Biogas

      
   

Seit der Inbetriebnahme am 3.6.2003 wurde aus der Abwärme der Biogasanlage der Multiagrar GmbH Wärmeenergie für die Beheizung der Mittelschule eingesetzt.

Für den Fall des Falles ist zwar eine Ersatzheizung mit Biodiesel vorhanden, bisher wurde sie aber nur selten benötigt.

Sowohl für den Unterricht als auch für die Gemeinde als Schulträger sind die Ergebnisse sehr interessant. Die Schüler nutzen bereits die ersten Messergebnisse für die Bearbeitung ökologisch orientierter Projektarbeiten. Auch die Eltern sind neugierig auf die Effekte der hochmodernen Anlage. Mancher entwickelt schon Ideen zur Nachnutzung.

Die Gemeindeverwaltung ist sich sicher, das Pilotprojekt "Erste CO2-neutrale Schule Sachsens - ausschließlich betrieben mit regenerativen Energien" wird die hochgesteckten Ziele erfüllen.
 

  

Projektbeschreibung:

Die Zufuhr der Rindergülle und des Silosickersaftes aus den Stallanlagen erfolgt quasi kontinuierlich direkt in den Misch- und Ausgleichsbehälter. Gleichzeitig werden die aufbereiteten NaWaRo (Nachwachsende Rohstoffe) zugeführt.

Im Misch- und Ausgleichsbehälter erfolgen bereits der erste Aufschluss der organischen Substanzen und die Bildung von organischen Säuren. Die Größe des Misch- und Ausgleichsbehälters wurde so festgelegt, dass die Aufenthaltszeit mind. 2 Tage beträgt.
Vom Misch- und Ausgleichsbehälter aus wird diskontinuierlich (ca. 8 Zyklen pro Tag) Substrat über eine Pumpe entnommen und über einen extern angeordneten Wärmetauscher in den Fermenter gepumpt.

Der Substratwärmetauscher, ausgeführt als Spiralrohrwärmeüberträger, dient zur Erwärmung des Substrates auf die erforderliche Prozesstemperatur von ca. 38°C. Das Warmwasser für den Wärmetauscher wird direkt vom BHKW über den Vor- und Rücklaufverteiler im Wärmecontainer bereitgestellt.

Der Fermenter selbst enthält keine Heizeinrichtung, da eine solche i.d.R. eine Störquelle im Fermenter darstellt. Eventuelle Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten sind jederzeit möglich, ohne dass der Fermenter außer Betrieb genommen werden muss.

Im Fermenter erfolgen durch Mikroorganismen der weitere Aufschluss der organischen Säuren und die Erzeugung von Biogas (Vergärung im mesophilen Temperaturbereich). Die Größe des Fermenters ist für eine mittlere hydraulische Verweilzeit von ca. 20 Tagen ausgelegt. Um konstante und optimale Bedingungen im Fermenter zu haben, ist der Fermenter im Mantelbereich mit einer Wärmedämmung versehen. Für eine vollständige Durchmischung und die Beseitigung von eventuell auftretenden Schwimm- und Sinkschichten im Fermenter sorgt ein langsam laufendes Rührwerk mit einer Leistung von 15 kW.


Der Fermenter ist sowohl über eine Ober- und Unterdruckarmatur als auch über eine Sicherheitstauchung gegen einen unzulässigen Druckanstieg abgesichert (Wassertasse).

Das entstehende Biogas wird im Dachbereich entnommen und gelangt über eine Gasleitung mit Schaumfalle zur extern nachgeschalteten organischen Entschweflung zum Gasspeicher. Ein Luftgebläse, welches kontinuierlich Luft in den Zwischenraum zwischen den beiden Membranen drückt, sorgt für einen gleich bleibenden Betriebsdruck. Der Gaspuffer ist über eine Sicherheitstauchung gegen unzulässige Drücke abgesichert.

Die Biogasleitungen sind mit Kondensatabscheideeinrichtungen ausgerüstet. Der H
2S-Gehalt des Biogases wird täglich mittels Drägerröhrchen kontrolliert.

Vom Gasspeicher aus gelangt das Biogas zum Blockheizkraftwerk (BHKW). Das Biogas wird im BHKW verbrannt und erzeugt Elektro- und Wärmeenergie. Die erzeugte elektrische Energie wird zu 100% in das öffentliche Netz eingespeist.

Die entstehende Wärme (Warmwasser) wird zum Teil zur Erwärmung des frischen Inputmaterials auf ca. 38°C benötigt. Zur Abgabe von Wärme für anlagenfremde Zwecke werden am Heizungsverteiler 2 Abgänge bereitgestellt. Zur Wärmeversorgung der Schule wurde dort zusätzlich ein Wärmespeicher installiert.


Die Überschusswärme muss über Luftkühler an die Umgebung abgegeben werden. Zusätzlich wird eine Notfackel installiert, über die das Biogas schadstoffarm bei Ausfall des Block-heizkraftwerkes (bei Störung oder Wartung) verbrannt werden kann.

Die E/MSR-Anlage dient zur Versorgung der elektrischen Verbraucher und zum Bedienen und Beobachten aller technologischen Teilprozesse.Es wird ein kombinierter Betriebs- und E/MSR-Container aufgestellt, in dem die Schaltanlage und Steuerschränke der E/MSR-Anlage aufgestellt sind. Von hier aus erfolgt mit Hilfe eines PC-gestützten Prozeßleitsystem (PLS) die Steuerung und Überwachung des gesamten Betriebsregimes mit einer Kopplung zur ortsunabhängigen Steuerung und Überwachung.

Über die SPS werden die Analog- und Binärwerte erfasst, die programmtechnische Verarbeitung für einen automatischen Betrieb realisiert und die Übergaben der Steuerbefehle aus dem PLS, sowie die Rückmeldung zum PLS bereitgestellt.

Quelle: http://www.multi-agrar.de